Raspberry Pi mit Solar betreiben

Bin gerade dabei zu überlegen, wie ein RasPi zeitweise (d.h. nicht 24/7, sondern x Stunden am Tag) autark, d.h. ohne Steckdose und WLAN, betrieben werden kann. Mögliche Szenarien wären:

Hardware

  • :white_check_mark: Raspberry Pi
  • :yellow_square: Überwachungselektronik für Zeit und low battery
  • :red_square: Akku
  • :red_square: Ladeelektronik
  • :red_square: Solarpanel
  • :white_check_mark: LTE-USB-Stick
  • :white_check_mark: wetterfestes Gehäuse

Der RasPi und ein LTE-USB-Stick ist aus der Liste oben das bisher einzige geklärte “Detail”, auch das Gehäuse ist kein Ding, wir können was von Spelsberg nehmen wie beim BOb-Projekt. Beim Rest bin ich gerade eher lost!

Überwachungselektronik für Zeit und low battery

WittyPi

Wir brauchen auf jeden Fall eine Elektronik, die

  • zeit- und / oder sensorgesteuert den RasPi hoch und runterfährt
  • bei schwachem Akku den RasPi ebenfalls kontrolliert herunterfährt

Standard ist der WittyPy von UUgear, den es aktuell in verschiedenen Ausführungen gibt. Die Unterschiede betreffen vor allem die jeweils unterstützen Akku-Typen!

  • Witty Pi 4 L3V7
    – Ein Modell speziell für 3,7 V LiPos! Der über einen step-up converter die nötigen 5 V für einen RasPi zur Verfügung stellt.
    – Alternativ kann das board auch über 5 V USB versorgt werden.
    – Weiter überwacht der L3V7 die Akkuspannung und kann den Raspi bei low voltage kontrolliert herunterfahren:
    – Auf dem L3V7 ist der TP4056 als LiPo-Charger verbaut, der über 5 V USB den Akku aufladen kann, er ist aber kein ausgewiesener Solarlader, daher nur bedingt für eine Solarzelle geeignet!
    standby Verbrauch 0,3 mA mit 3,7 V LiPo und 1 mA bei Versorgung über 5 V-USB

  • Witty Pi 4
    – Der Witty Pi 4 kann über eine 6-30 V-Stromquelle versorgt werden.
    – Alternativ sind auch hier 5 V über USB möglich.
    – Damit sind LiPos nicht nutzbar
    – standby Verbrauch 0.5 mA

  • Witty Pi 4 Mini
    – Die Mini-Variante kann nur mit 5 V (USB) versorgt werden.
    – standby Verbrauch 0.5 mA

Alle oben genannten boards haben einen Temperatursensor der bei einstellbaren Temperaturen den RasPi ein- und ausschalten kann. Alle haben auch einen Taster, um den RasPi von Hand an- oder auszuschalten.

Wie wir sehen, hängt die Auswahl hier von der Nennspannung des geplanten Akkus ab. Allerdings kann kein WittyPi, ausser der L3V7 die Eingangsspannung monitoren!!

PiJuice

Den PiJuice gibt es noch z.B. über distrelec, abgespeckt auch als Zero, ist allerdings älter als die WittyPys und wird wohl auch nicht mehr weiterentwickelt. Der Verbrauch im stand-by-mode ist mit 0,5 mA angegeben.

Akku

Nun nähern wir uns langsam der Gretchenfrage: “Wie hälst du es denn mit dem Akku?”

  • 3,7 V-LiPos setzen wir schon für viele Projekte ein, bisher hatte ich eher mit kleineren 1S LiPos bis 2.000 mA zu tun. Bei Reichelt gäbe es schon mal einen 10.000 mA 1S LiPo, bei AliExpress auch 20.000 mA. Braucht man noch “größere”, die den Verbrauch eines RasPis noch länger abdeckt und welche Vorteile hätten die gegenüber einer …
  • PowerBank ist die nächste Option, günstig, schnell austauschbar, zur Not auch im Austausch an einer Steckdose wieder aufladbar.
  • was mit ≥ 6 V – Blei-Akkus wären hier eine Möglichkeit.

Ladeelektronik

Wie oben geschrieben ist die der TP4056 charger chitp des L3V7 kein solar charger, daher wäre zu überlegen, ob es Sinn macht z.B. den CN3791 Solar-Laderegler oder den BQ25185 (Solar) Charger für LiPo und LiFePo o.ä. davor zu schalten und vom Witty Pi 4 L3V7 nur den step-up zu verwenden?

Unter Raspberry Pi mit Sonnenenergie betreiben hat sich auch schon jemamd vor Längerem Gedanken gemacht und ein paar Sachen durchgerechnet. Die Lösungen dort sind aber ohne low voltage detection, d.h. ohne ein kontrollierten shutdown des RasPis.

Solarpanel

Mit den dezidierten solar chargern oben wären 6 V-Panels möglich.

Doofe Idee?

Noch eine Idee: Beim Betrieb mit PowerBanks eine 5 V Solarzelle zu verwenden, diese als input direkt an die Powerbank anzuschließen und den RasPi als output! 5 W-Solarzellen wie diese bei Amazon wären aber vermutlich zu wenig?

Weiter hätten wir mit der Lösung 5 V-Solarzelle - > Powerbank < == > 5 V input Raspi keine Überwachung der Batteriespannung und könnten den RasPi nicht kontrolliert herunterfahren.

Aktueller Stand

Wegen der einfachen Konfiguration wäre mir eine PowerBank mit 5 V Solarzelle am liebsten, da die PowerBank ober irgendwann mit eigener Elektronik den Strom bei low voltage abschaltet ohne dem RasPi vorher Bescheid zu geben und der WittyPi die Eingangsspannung über 5 V auch nicht monitort (die wird wegen der Elektronik der PowerBank vermutlich auch nicht zu sehr schwanken) ist das keine gute Idee, sondern wir müssen 3,7 V LiPos nehmen.

Ich habe hier eine 20.000 mA PowerBank, die einen RasPi auch einen kompletten Tag durchfüttert. So was werden wir nicht als 1S 3,7 V LiPo finden, 2S und mehr können wir aber nicht an den WittyPi L3V7 anschließen und auch nicht laden, dann bräuchten wir den Witty Pi 4 und müssten uns um Spannungsüberwachung und kontrolliertes Herunterfahren selbst kümmern?!?

Any ideas oder Kommentare?

Notizen

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schön, dass du das mal systematisch angehst hier. ich kann nur eine dumme frage beisteuern: schaltet sich der Witty Pi 4 L3V7 auch automatisch wieder ein, wenn der akku durch die (morgen)sonne wieder aufgeladen ist? wer gibt da das signal zum hochfahren? ab welchem ladestand?

Gute Frage, im L3V7 User Manual gibt es einen Abschnitt Set low voltage threshold, zum auto-shutdown bei schwachen Akku, aber nur
Auto-On when USB 5V is connected zum Hochfahren. Was aber schon gegen sollte ist, dass beim nächsten zeitbasierten Hochfahren und genügend Strom das Ding wieder läuft, für die RTC reicht sicher der etwas leerere Akku. .

Im Manual gibt es allerdings bei den Variablenbeschreibung neben low voltage threshold auch

recovery voltage threshold

Vielleicht geht das dann doch automatisch über die wieder aufgebaute Spannung und nicht nur zeitbasierten. Hab’ mal einen bestellt. Nur über die Doku kann ich gerade keine eindeutige Lösung finden.

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Sehr cool was ihr hier macht! Bin hier irgendwie gelandet, musste von WittyPis lesen und dachte ich muss mich unbedingt kurz anmelden und auf den LiFePo4wered/Pi+ hinweisen, welcher unsere kuckuck.cam Zeitraffer-Kamera auf Raspi-Basis in Kombi mit einem prismatischen 1S Akku-Pack (einfach mal LiFePo4 Topband 30Ah 3,2V googeln) über Wochen zuverlässig nach Zeitplan hoch und runter fährt.
Noch dazu kann man bis zu 24V MPP laden, also kleine Solar-Panels (Offgridtec 10W V2 18,2V PERC) direkt anschließen.

Darüberhinaus ist ein programmierbarer Watchdog integriert, der dem RaspberryPi nach definierter Zeit ohne Lebenszeichen kurz den Strom klaut um alles neu zu starten, etwas was den WittyPis fehlt…

Damit wäre deine Hardware-Liste dann abgehakt :slight_smile:

Edit: Ich weiß von Patrick Van Oosterwijck, dass es schon einen Prototyp des LiFePo4wered für das RaspberryPi 5 gibt! Mit 5A Input/Output, Load Balancer, Battery Heater und optimiertem MPP-Laderegler!

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Hallo Moritz / @mmoollllee! Vielen Dank für den Beitrag und den Hinweis auf LiFePO4wered/Pi+ !

Gerade mit der LiFePo4-Akku-Chemie hört sich das board sehr spannend an. Ihr habt euch sicher auch WittyPi und PiJuice als mögliche Kandidaten für eure Kamera angeschaut – auch ein interessantes Projekt! – magst du vielleicht kurz schreiben was für euch da der Ausschlag war LiFePO4wered/Pi+ zu nutzen, oder ist die Liste oben schon genau die feature-Liste, die ihr für euer Projekt jetzt oder zukünftig braucht. Was waren / sind die Nachteile?

Der Watchdog hört sich gerade für Hardware im Feld super an, wenn mal wirklich gar nichts mehr geht. Das Haupt-Feature vs. WittyPi und PiJuice (für mich! :-) scheint aber die dezidierte Solar-Ladeelektronik zu sein.

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Hey Clemens!

Das WittyPi hat uns einfach nur Ärger gemacht und hält meines Erachtens nach nicht was es verspricht (siehe diesen Thread als Beispiel).
Ein StromPi3 hab ich mir zusammen mit dem LiFePO4wered angeschafft. Allerdings war das LiFeP4wered einfach so intuitiv und zuverlässig, dass ich mich damit garnicht so richtig auseinandergesetzt hatte. Was sicher auch daran lag, dass die Software von JoyIT im Vergleich ein bisschen kompliziert daherkommt. Falls das hier jemand haben will oder ausprobieren möchte werd ich es gerne los :slight_smile:

Das PiJuice kannte ich tatsächlich bisher nicht und es sieht wirklich sehr interessant aus! Kann scheinbar alles was das LiFePO4wered kann (verträgt allerdings max 10V Input) und hat darüberhinaus noch einen Temperaturfühler der im Winter bei Minusgraden den Akku schützt!

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noch ein post wegen der 2 Links Begrenzung ;)

Was die Ladeelektronik angeht liegt der wesentliche Unterschied in den verwendeten Lade-Chips:

Unsere Liste sah genau so aus wie oben! Einziger Schmerzpunkt beim LiFePO4wered ist die begrenzte Ladeleistung von 1.5A, was nicht ausreicht um die volle Leistung des Solarpanels in den Akku zu bekommen, und der fehlende Temperaturfühler um den Akku im Winter zu schützen.

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